Historisches über Neidenbach in der Eifel
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Nidinbuch 1177-1977 Neidenbach von
Dr. Josef Hainz Neidenbach in der Neuzeit Die grundherrliche Zugehörigkeit
der Höfe von Neidenbach in der Es ist sehr schwierig, die
grundherrliche Zugehörigkeit der einzelnen Höfe festzulegen, selbst
bei dem Prozess vor dem Hochgericht in Luxemburg konnte diese Frage
nicht geklärt werden. Eine vollkommene Ausbeute des Gerichtsaktes als
Urkunde erbrachte keine klaren Ergebnisse. Eine sehr wichtige Aussage über
die grundherrliche Zugehörigkeit macht Schöttlers Peter von Qesch (Usch) ,,alt in die 70 Jahr: Sagt er
habe woll hoeren sagen, dass ein Herr zu Malbergh ihre Jeibserben
gestorben und das halb Dorff Niedenbach in die Kirche zu St. Thomas
geben aber wisse sonst keinen Bericht." Der Zeuge Friederlers Peter,
sagt seie ungefher 40 Jar, zu Niedenbach wohnhafft und auferzogen. Seine
Aussage: ,,Sagt sie geben Schafft und dhienst zu St. Thomas, auch habe
die frauwe einen Meyer da, denen man der Frauwen Meyer nennet, habe auch
gehoert saqen, dass die Inwohner der Häuser uff Kilburgh gehoerigh, wie
er den gesehen, dass sie uff der Kilburger bevelch dahin erscheinen
muessen. Also auch geben dieselbe ghen Kilburgh Jars ein Rauchhohn und
Schatzungh." Eine kurtrierische
Weinschenke in Neidenbach Thomas Kuehirt zu Kilburgh
gebürtigh von Walmersheim im Stifft Trier, alt ongefehrlich 70 Jhar. Sagt; er wisse nicht, dass
sie sich da eines gepots angenehmst haben, und habe er vor 40 Jharen in
den Trierischen Heusern eins wein geschenckt, desgleichen auch ein
Malburgisch von wegen der Herrschaft gezapt, haben die Malburgesche iren
leuthen bevohlen, bei ime Zeugen nit Wein zu holen oder zu trinken, ime
aber haben sie nichts verpotten wie auch im gleichen den Trierischen be
ime zu trincken und habe der Trierischer Meyer und der Grundt Meyer zu
St. Thomas ime den Wein uffgethen." Selbst die Weinschenke, das
Dorfgasthaus in Neidenbach, wird in diesen Streit der drei
Grundherrschaften einbezogen. Die Jagdrechte in Neidenbach Die Jagdrechte in Neidenbach
waren wichtige Anklagepunkte vor dem Hochgericht in Luxemburg, die
Aussagen der Zeugen sagen uns, dass die drei Grundherrschaften die ganze
Gemarkung Neidenbach bejagten. Die drei Grundherren von
Neidenbach führten immer wieder Realteilungen der Höfe durch. Nach
einer Urkunde vom 16. 1. 1630 teilte Kurtrier: ,,ihre liegenden Güter
in capita (nach Köpfen auf)." Die Folge war, dass durch solche
Teilungen die Untertanen in äußerste Armut geraten und nicht mehr
ausrechnen können, wer uns den gebührlichen Herrendienst leisten
sollte. Das Kloster St. Thomas betrieb ebenfalls eifrig Realteilungen,
so dass das Dorf Neidenbach nach einer Urkunde vom Jahre 1654 ,,zweiherrig"
gewesen. Solche Güter der Abtei St. Thomas wurden aufgeteilt in die
realen Hofgüter und in Möbelgüter. Durch diese Aufteilung der Höfe
sollte die Höhe der Abgaben gewährleistet werden, zwei untertänige
kleine Bauernhöfe sollten mehr Zehent erbringen, als ein Hof. Diese
Realteilung schuf die größte Notlage in Neidenbach. Nach der Feuerstellenliste
vom Jahre 1541 haben wir folgende Anwesen in der Grafschaft Malberg:
Freiheit Malberg
29
Nydenbach
5
Malbergweich
8 Zu Luxemburg gehören im Jahre 1621:
Freiheit Malberg
45
Nydenbach
8 (der Rest gehört zu Kurtrier)
Malbergweich
15 Dieses Feuerstellenverzeichnis aus dem Jahre 1541 liegt
im Staatsarchiv in Brüssel. Verzeichnis der Stiftskellerei zu Kyllburg aus dem
Jahre 1562: Neidenbach:
Erbzehnte, Johann Reiter, 1,4 Malter Hafer, Wilhelm Rolle 4,9 Malter Hafer, Bäcker Vogtei 7 Malter Hafer. Die Palliengelder aus dem Jahre 1655 betragen für
Neidenbach: 11 Stufen Luxemburgensis, 16 Alben, 4 denare. Termin für
die Abgabe dieser Die Einwohnerzahl von Neidenbach: 1570 = 70, 1652
= 50. Wir sehen an dieser Einwohnerzahl deutlich die Verluste
durch den Kellereirechnung des Stiftes Kyllburg aus dem
Jahre 1773/74: In Neidenbach geben 4 Häuser Erbpacht: 1. ReitzJohann 2. Roth
Hand-Wilhelm 3.
Backes 4.
Jans 1 Malter und 4 Sester Hafer, 9 Malter Hafer, 7 Sester Hafer. Die Korneinnahmen des Stiftes Kyllburg von den
Untertanen zu Malberg aus dem Jahre 1786: Meyer zu Neidenbach: 1 Malter Korn. Hafer: Schirmhafer, Rauchhafer = 2 Malter, 11 Sester. Hühnereinnahmen:
7 Stück. Lebkucheneinnahme: Das adelige Gotteshaus St. Thomas läßt
jährlich einen Lebkuchen herstellen, der nach Trier gebracht wird. Der
Überbringer erhält als Boten lohn 6 Alben. Spatzenköpfe-Einnahmen aus dem Jahre 1786: Jeder Einwohner des Amtes ist schuldig, vor dem 1.
April 10 Spatzenköpfe zu liefern. Wenn dieselben vor diesem Termin
nicht abgeliefert sind, wird von jedem Kopf eineinhalb Albus gezahlt. Es
entspricht diese Lieferung einer mehrmals eingegangenen kurfürstlichen
Verordnung. Danach ergeben sich für den Raum Neidenbach folgende
Zahlen: Ehlenz 14, Kyllburg 87, Kyllburgweiler 14, Meisburg 16,
Neidenbach 8 (ein Teil gehört zu Luxemburg), St. Thomas 10, Usch 8,
Wilsecker 26 und Zendscheid 9. Kellereieinnahmen von Kyllburg aus dem Jahre 1797: Neidenbach liefert als Zehent
zwei Malter Korn und 6 Sester Hafer. Der Küster von Neidenbach erhält
für seinen Dienst jährlich vier Sester Korn. Der Erbpacht zu
Neidenbach beträgt jährlich vier Malter Hafer. Die Französische
Revolution und die Herrschaft Napoleons haben eine 700 Jahre dauernde
Feudalzeit in den Rheinlanden beendet. In dieser Zeit brach erstmals für
das Dorf Neidenbach eine Zeit an, die Freiheit, Gemeinsamkeit, Selbständigkeit
und das Bewusstsein, ein Dorf zu sein, brachte. Ein durch drei
Grundherrschaften geteiltes Dorf konnte nun endlich zu einer echten
Dorfgemeinschaft zusammenwachsen. Die freie Berufswahl ermöglichte den
Neidenbachern erstmals> die Naturschätze der Heimat, Sandstein und
Holz, als Erwerbs- und Lebensgrundlage zu benützen. Die Berufe der
Steinpieker, Steinschleifer, Fuhrleute, Geräteschmiede, Stellmacher,
Lohschläger, Weber, Leinenfärber, Händler usw. werden mit Freude und
Eifer erstmals erlernt und ausgeübt. Nicht wenige Neidenbacher, denen
der Lebensraum immer noch zu eng war, suchten ihr Lebensglück in der
weiten Welt, auch in Nordamerika. Die neuen Berufe brachten Geld ins
Haus, ins Dorf, in Neidenbach setzte eine rege Neubauperiode ein. Wenn
wir durch die heutigen Straßen von Neidenbach gehen, so finden wir
zahlreiche Häuser aus den Gründerjahren, sie tragen am Hauwerk über
dem Türsturz die Jahreszahlen (1815 bis etwa 1850). Dieses halbe
Jahrhundert war echt die goldene Zeit Neidenbachs. In anderen Dörfern
des Bitburger Landes wurde in dieser Zeit kaum ein Neubau errichtet. Der
wirtschaftliche Aufschwung, der Abbau des Sandsteines forderte ein neues
Wegenetz, das dem neuen wirtschaftlichen Aufschwung angepasst wurde. Die
Sandsteingruben waren die nie versiegenden Geldquellen, die Männer
und Jungmänner Neidenbachs wurden von aller Welt anerkannte Fachleute
der Sandsteinindustrie. Madonnen, Figuren von Heiligen und von Engeln
und andere Kunstwerke wurden von den Neidenbachern mit Künstlerhand und
großer Kunst aus dem Sandstein gehauen. Neidenbach war ein halbes
Jahrhundert lang ein lndustrieort unserer Heimat geworden. Die Pfarrei
St. Peter half bei der Anlage des neuen Wegenetzes mit. Anfang der
sechziger Jahre wurden von der Pfarrei alle Felder an die Bevölkerung
verkauft. Das heutige Wittum der Pfarrei ist daher sehr klein. Pfarrer
Strakmann führte die endgültige Übereignung durch. Wir haben hier in
Neidenbach das einmalige Beispiel, dass das Pfarrwittum dem Aufstieg und
dem wirtschaftlichen Aufblühen der Gemeinde Neidenbach geopfert wurde.
Seit der Zeit liefert die Gemeinde Neidenbach zum Pfarrgehalt 13,5
Malter Korn, 7,5 Malter Hafer, 2 Malter Heidekorn, 4000 Pfund Stroh und
5 Klafter Holz. Wir wollen eine amtlich erfasste Ernteerhebung von
Neidenbach aus dem Jahre 1880 anführen: Weizen - SpezKorn 1700 Gerste 3000 Hafer 1350 Buchweizen 2000 Erbsen 1300 Ackerbohnen 1500 Lupinen 400 Kartoffeln 1850 Futterrunkel - Flachs 70 Klee, Heu 3500 Wiesen 4850 Loh in Schlägen: Beiersbergschlag 2 ha 56 Ar,
Ertrag 160 DM Röderschlag 1 ha 50 Ar, 150
Zentner Lohe Die Einwohnerzahl von
Neidenbach in den letzten hundert Jahren: 1890: 535; 1904: 599; 1916:
650; 1950: 886. |
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| Quellenangabe: Festschrift 800-Jahr-Feier der Gemeinde Neidenbach 1977 | |